Europäische Kulturvielfalt erleuchtet Gotha bei der 58. Europeade

Eine einzigartige Mischung aus Musik, Tanz, Trachten und internationaler Freundschaft erfüllte die Stadt Gotha, als die 58. Europeade, das größte europäische Festival der Volkskunst, ihre Pforten öffnete. Unter dem Motto „Einheit in Vielfalt“ kamen rund 5.000 ehrenamtlich engagierte Menschen aus 23 europäischen Nationen zusammen, um die reiche Vielfalt der Volkskulturen des Kontinents zu feiern. Mitten drin: Die „Sing- und Spielschar der Böhmerwäldler“ aus Ellwangen. Die Ellwanger Gruppe ist eine sudetendeutsche Gruppe mit mehr als 40 Teilnehmern aus Bayern und Baden-Württemberg.

Die 26-jährige Stefanie Januschko dirigierte den 20-köpfigen Chor der Gruppe beim internationalen Chorabend und beschrieb die Erfahrung als herausfordernd und dennoch bereichernd: „Es war schon schön, auf so einer großen Bühne den Chor zu leiten. Die Anspannung im Vorfeld war natürlich auch groß.“ Die Gruppe trug traditionelle Lieder in Böhmerwäldler Mundart wie „D’Woaf“, „Hoamaterd“, „Da Weig zu mein Dianderl“ und „Feierobnd“ vor.

 

Die Tanzleitung lag bei Dorothea Hägele und Sophie Grill; beide hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Vorfeld auf die Auftritte vorbereiteten. Das bunte Bild der Gruppe wurde verstärkt, weil Trachten aus dem Böhmerwald, Baden-Württemberg und dem Schönhengstgau getragen wurden – je nachdem, woher die Vorfahren der Tänzerinnen und Tänzer kommen.

 

Felicitas Nader, 14 Jahre alt und zum ersten Mal bei einer Europeade dabei, war begeistert von der Atmosphäre: „Die Stimmung bei den Auftritten war super. Sehr gut hat mir gefallen, dass ich so viel mit den Menschen aus anderen Städten und Ländern in Kontakt gekommen bin.“

 

Claudia Beikircher, Vorsitzende der „Sing- und Spielschar der Böhmerwäldler“, betonte den einzigartigen Charakter der Europeade: „Wenn 184 Folkloregruppen aus ganz Europa zusammenkommen, dann ist der Geist Europas zu spüren. Jede Gruppe hat ganz individuelle Trachten – und genau das macht den Reiz der Europeade aus: Einheit in Vielfalt.“ Und auch die Ellwanger Gruppe ist ein Schmelztiegel von Teilnehmern: „Viele Auswärtige aus Baunach, Nürtingen, Stuttgart und München verstärken Chor und Tanzgruppe“, sagt Beikircher.

 

Die Eröffnung fand in der malerischen Altstadt Gothas statt, wo Ministerpräsident Bodo Ramelow und die Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach mit einem bezaubernden Konzert „Tanzen möcht ich…“ für einen stimmungsvollen Auftakt sorgten. Rüdiger Heß, Präsident des Internationalen Europeade Komitees, betonte in seinem Grußwort die Bedeutung der Völkerverständigung und der europäischen Freundschaften, die im Mittelpunkt der Europeade stehen.

 

Bis 2023 war die Europade in fünfzehn Ländern Europas zu Gast: elfmal in Belgien, siebenmal in Frankreich und Italien, achtmal in Deutschland, sechsmal in Spanien, je dreimal in Portugal, Dänemark und der Schweiz, zweimal in Österreich und Litauen und einmal in Finnland, Polen, Schweden, Estland und Lettland.

 

„Auf dem Kontinent Europa gibt es seit sechzig Jahren mit der Europeade eine große Kulturbewegung. Sie ist jedes Jahr von Neuem das bedeutendste Festival europäischer Volkskultur und das bedarf der Anerkennung, Förderung und Wertschätzung der Europäischen Institutionen“, äußert sich Knut Kreuch als Oberbürgermeister der Stadt Gotha, Präsident des deutschen Trachtenverbandes e.V. und Landesvorsitzender des Thüringer Landestrachtenverbandes e.V. zur Veranstaltung. 

 

Die Veranstaltungstage in Thüringen waren gefüllt mit Konzerten, Tänzen, Chören und Paraden, welche die kulturelle Vielfalt Europas auf eindrucksvolle Weise zeigten. Gotha, zum zweiten Mal nach 2013 Gastgeber der Europeade, strahlte in bunten Farben der Vielfalt und Einheit Europas. Die Europeade 2023 war zweifellos eine Hommage an das kulturelle Erbe Europas und ein Fest der Freundschaft über Grenzen hinweg.

Rainer Grill

Foto: Rainer Grill